„REWESCHNIER“

Warum die Blaubacher bei ihren Nachbarn die Reweschnier heißen

 Karl August, der Herzog, war grausam und hart,
hat nie auch mit bösen Worten gespart
und auch nicht mit Plagen und bösen Schikanen
verschonet die armen Untertanen.

So schickt er einst Botschaft zu diesem Ort,
und verlangt einen Hirschbock und das sofort.
Die Blaubacher jammerten darob gar sehr:
„Wo nehmen wir jetzt einen Hirschbock her?“

So klagten alle, doch einer rief: „Halt!
Lasst bleiben das Klagen, kommt mit in den Wald!
Kommt mit in die Gallbach! Da weiß ich euch Rat!“
So schritten sie alle gemeinsam zur Tat.

Bald kehrten sie wieder an Beute reich
und machten sich auf den Weg zugleich,
dem Fürsten zu dienen, wie er es gebot,
das brachte sie all in Bedrängnis und Not.

In tiefer Demut sie überreichten
dem Fürsten den Bock, die Schranzen erbleichten.
Der Herzog stieren Blicks da saß,
die zitternden Bauern mit Blicken maß,

mit Blicken wie Blitzen und Donnern zugleich,
den Bauern wurden die Knie weich,
sie wünschten, sie wären nie geboren
und gaben sich allesamt schon verloren.

Da bricht`s aus dem Herzog gewaltig heraus,
vor Lachen erbebet das ganze Haus.
„Schaut her!“ rief er freudig, „Ein seltsames Tier“!
Ein Bock mit Hörnern, ein Käfertier!“

Der Herr war`s zufrieden, den Bauern zum Glück.
Sie wanderten glücklich ins Dorf zurück,
sie lobten den Schultheiß, taten lange ihn preisen,
auch wenn sie seitdem „Reweschnier“ heißen.

Den Nachbarn zum Trotz schmücken stolz sie das Haus
und zeigen den Käfer am Kerwestrauß.
So war es vor Zeiten, so ist es noch heut,
nun wisst auch ihr es, Ihr guten Leut.